Museumshafen Greifswald e.V.

Franz Scherer

Kurzer Abriß der Geschichte der letzten Greifswalder Holzschiffswerft und ihrer Anlagen

(2004 von Volker Pesch behutsam ergänzt und überarbeitet; es gibt jetzt auch eine eigene Homepage unter www.museumswerft-greifswald.de)

 

Von 1853 bis 1878 bestand auf dem nach Westen etwas größeren Gelände die Werft des Holzschiffbaumeisters Joachim Wilhelm Sadelkow. Sie war die größte und bedeutendste Greifswalder Holzschiffswerft. Beim Verkaufsangebot 1878 wird eine "Slippe" genannt, deren Slipgraben an der Westgrenze des heutigen Werftgebäudes 1952 noch vorhanden war, 1953 wurde er zugeschüttet. Bei dieser Slipanlage handelte es sich noch um eine hölzerne Pfannenslip.

Von 1887 bis 1902 war die Werft im Besitz des Holzschiffbaumeisters und Reeders August Spruth, der in diesem Jahr tödlich verunglückte. Sein Sohn, der Architekt Heinrich Spruth, verkaufte Gebäude und Anlagen 1908 an die Greifswalder Maschinenfabrik GmbH. Ob von dieser anstelle der Pfannenslip bereits eine Patentslip installiert wurde, ließ sich nicht mehr ermitteln. Bis mindestens 1923 wurde diese so genannt, aber noch durch ein Göpelwerk angetrieben. 1924 kam eine durch Elektromotor angetriebene Winde.

1928 kam es zum Zerwürfnis der Brüder Buchholz und zur zeitweiligen Schließung des Werftbetriebes, damit auch zur Aufgabe der alten Slipanlage. 1935 wurden eine Schiffbauhalle und eine Patentslip an der heutigen Stelle errichtet. 1940/41 folgten weitere Hallen- bzw. Werkstattneubauten. Diese sind bis auf die teilweise innere Ausmauerung und geringfügige Anbauten bis heute unverändert.

1950 erfolgte die Verstärkung der Slipanlage (Gleisbett und Slipwagen), um den höheren Anforderungen für das Aufslippen der entstehenden Saßnitzer Holzkutterflotte gerecht werden zu können. Gleichzeitig kam es von 1948 bis 1953 zum Neubau von drei 17-Meter-Kuttern, zwei 24-Meter-Kuttern und des Lehr- und Versuchskutters SAS 269 "Dr. Friedrich Wolf". Die letztgenannten Fahrzeuge sind mit 32 bzw. 27 Metern Länge wohl die größten Holzschiffneubauten nach 1945 in Deutschland gewesen.

1953 floh der Werftbesitzer Willi Buchholz in die Bundesrepublik, der Betrieb blieb aber unverändert als VEB Boots- und Reparaturwerft die größte Reparaturwerft für die Saßnitzer Kutterflotte. Nach der Übergabe der Holzkutter an die Fischereigerätestationen ab 1955/56 hatte die Werft die gleiche Funktion für diesen Auftraggeber, außerdem erfolgten 1955 bis 1957 die Neubauten von dreizehn 12-Meter-Kuttern — der letzte Serienbau von Holzfischkuttern.

1962 wurde die gesamte Slipanlage einschließlich Winde und Queransatzvorrichtung erneuert. Seit 1.1.1971 war die Werft dann nurmehr der  „Betriebsteil Schiffsreparaturen“ der Volkswerft Stralsund. Hier wurden weiterhin Reparaturen gemacht, und, durch das Alter der Holzkutter bedingt, zunehmend Generalreparaturen an hölzernen Kuttern. So blieb es bis zur „Wende“.

1983/84 war übrigens als Nachbau eines Zeesbootes der letzte Neubau entstanden. Dieses Zeesboot fährt seitdem als SUNDDRIEWER unter Walter Ribbeck und ist heute in der "Strolsunner Klüverboomkommün" beheimatet.

 

Wie geht es weiter mit der BUCHHOLZWERFT ?

Der Museumshafen Greifswald bemühte sich seit 1990 um den Erhalt der Buchholzwerft.

Mit dem Ende der DDR war der Betrieb der Werft eingestellt worden, und es bestand die Gefahr, dass — wie hier im Osten so üblich — die Immobilie von den wieder eingesetzten Alteigentümern, einer Erbengemeinschaft des alten Buchholz, meistbietend verkauft und abgerissen werden würde.

Entsprechende Pläne zur Errichtung von noch mehr Abschreibungsobjekten, Hotels, Eigentumswohnungen und Büroflächen, waren durchaus vorhanden, auch Investoren waren zur Stelle.

Um diesem scheinbar unabwendbaren Prozeß etwas gegenzusteuern, beantragte der Museumshafen bereits 1994 den Denkmalsschutz für die Slipanlage der Werft. Diesem Antrag stimmte das Landesamt für Denkmalpflege auch ziemlich schnell zu, so daß die eigentliche Slipanlage seit 1995 in der Denkmalliste des Landes enthalten ist.

1997 beantragte der Museumshafen dann in enger Zusammenarbeit mit der unteren Denkmalschutzbehörde bei der Stadt den Denkmalsschutz für die gesamte Werft.

Diese Behörde arrangierte mehrere Begehungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege und städtischen Ämtern, bei denen der Museumshafen ausgiebig Gelegenheit hatte, sein Konzept zum Aufbau einer Museumswerft darzustellen.

Schließlich bekam der Museumshafen Greifswald kurz vor Weihnachten 1997 sein schönstes Weihnachtsgeschenk in Form der Eintragung aller Bestandteile der ehemaligen Buchholzwerft in die Liste der Baudenkmale der Hansestadt Greifswald!

Seit 2001 wird die Werft von einem eigenen Verein gemanagt, dem Förderverein Greifswalder Museumswerft e.V. Neben dem Erhalt und der Restaurierung der gesamten Anlage stehen die unterschiedlichsten Projekte auf dem Plan, viele davon mit museumspädagogischem Impetus.

Im Frühjahr 2005 hat der Verein die Werft endlich kaufen können. Seitdem schreitet die Sanierung und Weiterentwicklung dieser einzigartigen Selbsthilfewerkstatt für alte Schiffe mit großen Schritten voran.

Schiffbauprojekte

1993 bis 1996 wurde der 17m-Kutter VORPOMMERN von Harry Buchholz (leider nicht verwandt mit dem ehemaligen Werftbesitzer) und seinen Mitstreitern unter der Führung von Lothar Knöpcke (Verein Sozialarbeit in Vorpommern) zu einem schmucken Schoner umgebaut.

Einige Jahre später bauten die Mannen (und Frauen!) rund um den Böe e.V. den Logger LOVIS auf, das größte Projekt in der bisherigen neueren Geschichte der Werft.

Seit 1996 baut Ole Schmidt vom SEEFUCHS dort die Fischereizeese 19 DWARSLÖPER wieder auf. Sebastian Hentschel hat ein LOCH FYNN SKIFF nachgebaut, nach originalem Riss, aber mit starken Modifikationen an Aufbauten und Takelage.

Andere Schiffe, darunter auch der Ewer ALFRED, die Kutter WIKING und VORWÄRTS, die BERTA, HANNE-MARIE und NORDWIND, die FIAT VOLUNTAS und viele andere lagen und liegen schon auf der Slip, die 2003 wieder instandgesetzt worden ist.

Viele Hände werkeln hier an alten Schiffen. Wo sonst gibt es noch Orte wie diesen?

Kontakt über:

Förderverein Museumswerft e.V.

Vorsitzender: Carsten Pönicke

Salinenstraße 21

17489 Greifswald

Tel.: 03834 / 771998

www.museumswerft-greifswald.de